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Apple entschuldigt sich für Drama um langsamer werdende iPhones (Bild 1 von 1)Bildquelle: notebookinfo.de
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Verspätete Reaktion: Apple wird Besitzern eines älteren iPhone-Modells, die mit Performance-Problemen zu kämpfen haben, ab Anfang 2018 einen deutlich vergünstigten Akku-Tausch anbieten.

Apple hat gestern Abend mit einer umfassenden Erklärung - die auch eine deutliche Entschuldigung an Kunden enthält - auf die in der vergangenen Woche überbordende Kritik an der seit rund einem Jahr in iOS enthaltenen Funktion, die die maximale CPU-Performance bei älteren iPhones mit chemisch gealtertem Akku reduziert, reagiert. Die beiden Kernaussagen der Stellungnahme von Apple, die für die allermeisten iPhone-Nutzer relevant sein dürften, sind einerseits, die Versicherung, dass „niemals“ versucht worden sei, durch Anpassungen an iOS Kunden zum Upgrade auf ein neueres iPhone-Modell zu bewegen, und andererseits, dass „Anfang 2018“ Maßnahmen ergriffen werden würden, die sowohl den Akku-Wechsel bei einem iPhone attraktiver machen als auch zu mehr Klarheit hinsichtlich des aktuellen Akku-Zustands eines iOS-Geräts führen sollten.

Seit dem Update auf iOS 10.2.1, das im Januar 2017 erschien, ist eine neue Energiemanagement-Funktion Teil von Apples Mobil-Betriebssystems, wie das Unternehmen selbst inzwischen mehrfach erläutert hat. Dieses Feature führt dazu, dass bei den etwas älteren Modellen iPhone 6, iPhone 6 Plus, iPhone 6s, iPhone 6s Plus und iPhone SE, die unter Umständen einen chemisch deutlich gealterten und damit nicht mehr die ursprüngliche Leistungsfähigkeit bietenden Akku besitzen, die Maximalleistung einiger Systemkomponenten wie der CPU dynamisch angepasst wird, um so ein unerwartetes Abschalten des Smartphones zu vermeiden.

Apple hatte diese Software-Anpassung aufgrund von Berichten über sich abschaltende iPhone 6 und 6s Exemplare vorgenommen und in den Release Notes von iOS 10.2.1 auch einen entsprechenden Hinweise eingefügt. Letzterer war allerdings leider nicht sonderlich aussagekräftig und das Unternehmen machte bis jetzt nicht unmissverständlich klar, wie weitreichend das Energiemanagement-Feature die Performance eines iPhones tatsächlich beeinträchtigen kann. Außerdem versäumte es Apple, Kunden darüber zu informieren, dass ein älteres iPhone allein durch einen (kostenpflichtigen) Akku-Wechsel durchaus wieder seine ursprünglichen Performance-Werte erreichen kann.

Die Zusammenhänge von iPhone-Akku und -Leistung sowie allgemeine Informationen zur Funktionsweise von Lithium-Ionen-Batterien erläutert Apple ab sofort in einem neuen Support-Dokument ausführlich. Außerdem berät das Unternehmen Kunden auf dieser Webseite detailliert darüber, welche Maßnahmen ergriffen werden können, um die Lebensdauer eines Akkus zu verlängern. Deutlich gesagt werden muss an dieser Stelle aber auch, dass Apple an seiner grundlegenden Strategie zum Schutz älterer iPhones vor dem plötzlichem Abschalten festhalten wird. Das besagte Energiemanagement-Feature wurde gar erst mit dem Update auf iOS 11.2 auf Modelle aus der iPhone 7 Reihe ausgeweitet. Apple verspricht diesbezüglich, in Zukunft an weiteren Verbesserungen für die Energieverwaltungsfunktionen zu arbeiten.

Für die zunächst fehlende und zuletzt missverständliche Kommunikation in dieser Sache entschuldige sich Apple in dem jüngst veröffentlichten Statement aber ausdrücklich bei allen Kunden. Gewissermaßen als kleine Wiedergutmachung wird der Konzern ab Ende Januar 2018 bis Dezember 2018 den Akku-Tausch bei älteren iPhones - ab iPhone 6 - vergünstigt anbieten. In den USA werden dann statt der bislang angesetzten 79 US-Dollar nur noch 29 US-Dollar fällig werden. Wie die reduzierten Servicekosten in Europa aussehen werden, ist bislang noch nicht bekannt. Der Standardpreis für eine neue iPhone-Batterie liegt hierzulande bei 89 Euro (plus Versand).

Eine weitere Reaktion auf das Drama um die Leistung älterer iPhones ist, dass Apple eigenen Angaben nach ebenfalls ab Anfang Januar 2018 ein neues Feature in iOS einführen wird, welches den Anwender besser über den Zustand des Akkus informieren soll und wohl deutlich darauf hinweisen wird, sobald die Akku-Leistung nicht mehr ausreicht, um das Smartphone mit seiner eigentlichen maximalen System-Performance zu nutzen.

Apple will mit der umfassenden Erklärungen der Problematik sowie der Entschuldigung direkt an Kunden deutlich machen, dass die Kritik und die Bedürfnisse der Nutzergemeinde ernst genommen werden. Die jüngste Reaktion des Unternehmens vermag allerdings nichts mehr daran zu ändern, dass das Thema „iPhone Slow“ noch lange Zeit in den Köpfen der Kunden weltweit eine nicht zu verachtende Rolle spielen dürfte. Außerdem hat sich Apple mit seinem langen Schweigen zu der Thematik nun zahlreiche Klagen von verärgerten Nutzern eingehandelt, die in den kommenden Monaten oder vielleicht sogar Jahren in erhebliche Kosten für den iPhone-Hersteller resultieren könnten.

Darüber hinaus interessant zu erfahren wäre schließlich, wie Hersteller von Android-Smartphones mit den beschriebenen Zusammenhängen zwischen Akku-Alter und Leistungsfähigkeit eines Geräts umgehen. Android-Smartphones sind nun wirklich nicht dafür bekannt, ihre Leistungsfähigkeit über einen längeren Zeitraum auf konsistent hohem Niveau zu halten. Ursachen dafür können aber ganz vielfältiger Natur sein, müssen also nichts zwingend mit speziellen Anpassungen eines Herstellers zu tun haben.

Quelle: Apple, Apple Support

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