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Test: Apple iPad mit Retina Display (4. Generation) 64GB Weiß

Unerwarteter Nachwuchs

Nach nur 8 Monaten Lebenszyklus wird das iPad mit Retina Display (iPad 3) durch das iPad der vierten Generation ersetzt. Neu ist der stärkere Apple A6X Prozessor, eine 1,2 Megapixel Facetime HD Frontkamera und der platzsparende Lightning Dock. Für den Umstieg mag das nicht ganz reichen, was für ein Tablet können Einsteiger erwarten?

Beschreibung

Mit der überraschenden Vorstellung des iPad der vierten Generation neben dem erwarteten iPad mini im Oktober hat Apple die Käufer des iPad 3 ein wenig vor den Kopf gestoßen. Nach nur 8 Monaten wird ihr Tablet-Flaggschiff mit Retina Display einem Update unterzogen. Diverse Apple Stores besänftigten vor allem frische Käufer mit einer Umtauschaktion. Die tatsächlichen Unterschiede fallen verhältnismäßig gering aus, mit dem iPad 4 verfeinert Apple vielmehr die Produktlinie und setzt beispielsweise den neuen Lightning Dock konsequent durch. Rein äußerlich ist das iPad 4 auch nur an dieser Schnittstelle vom Vorgänger zu unterscheiden. Das Innenleben wurde mit einem Apple A6X Prozessor und einer Facetime HD Webkamera mit 1,2 Megapixel Auflösung aufgestockt, als Betriebssystem dient nun die aktuelle iOS Version 6.0. Mit einem Gewicht von 652 Gramm ist es mittlerweile etwas behäbig, der größte Konkurrent Google Nexus 10 ist mit 602 Gramm schon etwas leichter. Das handlichste Tablet findet sich mit dem iPad mini jedoch wieder im Apple Sortiment.

Bei Optik und Verarbeitung hält sich Apple an alte Tugenden. Abgerundete Ecken, die Aluminium-Rückseite und das flächige Displayglas mit Anti-Fett Beschichtung liefern ein zeitloses und stylisches Design ab. Die Spaltmaße sind nicht auszumachen, dank der hochwertigen Materialien ist das Tablet steif wie ein Brett und widersteht auch gröbsten Verwindungsversuchen. Im Gegensatz zum alten 30-Pin Connector bekommt der neue Lightning Dock eine zusätzliche Metallumrandung um auch unzählige Anschlussvorgänge unbeschadet zu überstehen. Der Stecker ist abgerundet und kann beidseitig eingeführt werden, man muss also nicht mehr auf das Logo achten um die Oberseite zu finden. Als „Verschleißteil“ muss auch der Stecker einiges aushalten, wir können ihn weder verbiegen noch daran wackeln.

In Bezug auf die Ausstattung scheiden sich die Geister an Apples iPad 4. Die Lightning Schnittstelle ist schnell und universal einsetzbar – nur greifen die nötigen Zusatzadapter sehr tief in die Tasche. Ein USB-Kabel für die Synchronisation mit iTunes und das Aufladen liegt im Lieferumfang bei, wer allerdings das Bild auf HDMI ausgeben, eine Kamera oder einen SD-Kartenleser anschließen will, muss mit hohen Zusatzkosten rechnen. Genannte Adapter summieren sich auf über 100 Euro. Für das Surfen und Spielen auf dem Retina Display des iPad 4 ist das 4:3 Format des Bildschirms angenehm, auf einem Fernseher oder Monitor braucht es in der Regel das 16:9 Format. Die Videowiedergabe auf externen Bildschirmen über den HDMI-Adapter läuft auch im FullHD Format 1080p. In der Regel bedient sich das iPad 4 drahtloser Schnittstellen für den Datenaustausch, so können über Airplay zum Beispiel Videos an den Apple TV gestreamt werden. An Bord ist schnelles WLAN a/b/g/n (2,4 und 5 GHz) sowie Bluetooth 4.0. Das Modell A1460 unterstützt in Deutschland neben 3G zudem das schnelle LTE Netz, für unseren Test war allerdings nur die Wifi-only Variante verfügbar. Der interne Speicherplatz bemisst je nach Modell 16, 32 oder 64 GB – wer viel spielt, sollte zu einer größeren Variante greifen da diese Apps sehr viel Platz brauchen. Am Gerät finden sich noch eine 3,5 Millimeter Kopfhörerbuchse und ein integriertes Mikrofon für Videochats. Diese laufen über die Facetime HD Frontkamera mit 1,2 Megapixel Auflösung. Die iSight Kamera auf der Rückseite löst mit 5 Megapixel auf, bietet einen schnellen Autofokus und Gesichtserkennung jedoch keinen LED-Blitz. Die Qualität der Frontkamera wurde wirklich merklich verbessert, beide Kameras leiden aber noch unter einem Bildrauschen und sollten nur für Schnappschüsse genutzt werden. Zur Sensorik zählen ein 3-Achsen-Gyro-, ein Beschleunigungs- und ein Umgebungslichtsensor sowie ein digitaler Kompass. A-GPS und GLONASS stehen nur der iPad 4 Variante mit Mobilfunkunterstützung zur Verfügung.

Auf dem Prüfstand

Maßgeblichste Neuerung des iPad der vierten Generation ist der schnelle Apple A6X Prozessor. Der Dual-Core bietet gegenüber dem A5X des iPad 3 mit 1,39 GHz fast 40 Prozent mehr Taktfrequenz (iPad 3: 1GHz), der Arbeitsspeicher bemisst nach wie vor 1 GB. Als Grafikeinheit dient eine PowerVR 554MP4 Quadcore GPU. In unseren synthetischen Benchmarks können wir die von Apple versprochene doppelte Leistung gegenüber dem A5X bestätigen. Im GeekBench 2 Benchmark hat sich die Leistung mit 1768 Punkten gegenüber 757 Punkten mehr als verzweifacht, der GL Benchmark Egypt Offscreen bescheinigt mit 131 Bildern pro Sekunde rund 1,5-fache Geschwindigkeit der Grafikeinheit. Auch der Flashspeicher liest mit 167 MB/s gegenüber 80 MB/s mehr als doppelt so schnell wodurch gerade App-Starts eine bemerkbare Beschleunigung erfahren. Die Navigation durch das Betriebssystem mit Mehrfinger-Gesten (bis zu 5) läuft aber auch auf dem iPad 3 sehr flüssig und präzise. Das Spiel Need for Speed Most Wanted lässt ebenfalls keinen Unterschied in der Performance erkennen, wirklich ausnutzen lässt sich der A6X wohl erst mit kommenden Anwendungen welche mehr Leistung tatsächlich erfordern. Sämtliche Anwendungen wie die HD-Videowiedergabe, Browsing und auch Spiele laufen seit dem iPad 3 geschmeidig und absolut flüssig. Youtube-Videos, welche per Lesezeichen auf dem Homescreen platziert wurden, ruft das iPad 4 rund eine Sekunde schneller auf.

Das iOS 6 Betriebssystem bringt neben den vorinstallierten Apps Mail, Nachrichten, Fotos, FaceTime, Zeitungskiosk, AppStore, iTunes, Videos, Karten, Musik, Game Center, Photo Booth, Uhr, Kontakte, Erinnerungen, Kalender, Notizen, Kamera und dem Safari Browser alles mit, was der Tablet-Start braucht. Eine Youtube-App wäre noch bequemer gewesen, die mobile Version für den Browser tut es allerdings auch. Im Apple Ökosystem finden sich derzeit noch die qualitativ besten Apps in größtmöglicher Vielfalt.

Das 9,7 Zoll IPS-Retina Display mit der Auflösung von 2.048 x 1.536 Pixel ist nach wie vor Spitzenklasse. Auch sehr feiner Text wird gestochen scharf dargestellt, Fotos werden in brillanten Farben wiedergegeben und die Blickwinkel sind dank IPS-Technologie sehr stabil. Die Rechtsstreitigkeiten zwischen Apple und Samsung haben dazu geführt, dass im iPad 4 nun ein LG Display zum Einsatz kommt. Bei der durchschnittlichen Helligkeit ermitteln wir einen leichten Zuwachs auf gute 351 Candela pro Quadratmeter, damit werden Spiegelungen auf dem Displayglas auch im Außeneinsatz überstrahlt, einen schattigen Platz vorausgesetzt. Das Kontrastverhältnis hat sich aufgrund eines höheren Schwarzwertes auf immer noch vorbildliche 740:1 gemindert. Auch die Stereolautsprecher liefern ein gutes Resultat mit satten Bässen und einem ausgewogenen Klangbild. Im direkten Vergleich mit dem Vorgänger beschleicht uns der Verdacht, dass die Mitten ein wenig zurückgenommen wurden und das iPad 3 komischerweise den minimal dickeren Sound bietet.

Die Akkuleistung liegt auch bei der gesteigerten Performance auf einem sehr hohen Niveau, im Leerlauf bei deaktivierter Funkverbindung und minimaler Helligkeit bleibt das iPad der vierten Generation ganze 21 Stunden und 18 Minuten an. Beim Surfen über WLAN kommen wir auf 9 Stunden und 5 Minuten. Der Apple A6X Prozessor fordert erst unter voller Auslastung den Tribut für die Performance und leert den Akku mit 4 Stunden und 33 Minuten rund 20 Minuten schneller. Bei der Wärmeabgabe hat sich das iPad der vierten Generation gebessert und bleibt mit 29,4 Grad Celsius im Durchschnitt bedeutend kühler als der Vorgänger. Maximal ermittelten wir immer noch akzeptable 37,8 Grad Celsius.

Zusammenfassung

Das Apple iPad der vierten Generation baut mit dem hochauflösenden Retina Display, der sehr guten Verarbeitung und der satten Akkulaufzeit auf den Stärken des Vorgängers auf. Die Performance wurde mit dem Apple A6X Prozessor tatsächlich verdoppelt, die FaceTime Kamera bietet ein signifikant besseres Bild und der Lightning Dock ist handlicher. Ein Wechsel vom iPad 3 lohnt sich noch nicht wirklich, viel wichtiger für Neueinsteiger ist die Frage des Ökosystems. Wer bereits ein iPhone besitzt, wird mit dem Apple iPad 4 auf jeden Fall glücklich. Die Konkurrenz schläft jedoch nicht, mit dem Google Nexus 10 ist mittlerweile eine echte Alternative mit höher auflösendem Bildschirm und noch mehr Performance für den Kampfpreis des iPad 2 zu haben. Wer seither mit Android-Apps hantiert und auf Apples hohen Style-Faktor verzichten kann, sollte im 10-Zoll Faktor auf jeden Fall auch das Nexus 10 in Betracht ziehen. Am bequemsten finden wir jedoch immer noch das Apple iPad mini.

Autor: , Donnerstag 15. November 2012

Testergebnisse im Detail

Die Einzelbewertungen im Überblick
Erster Eindruck 1,0 (Sehr gut)  Display 1,0 (Sehr gut)
Eingabegeräte 1,0 (Sehr gut)  Temperatur 2,0 (Gut)
Lautsprecher 1,5 (Sehr gut)  Akku und Energieverbrauch 1,0 (Sehr gut)
Software und Zubehör 2,0 (Gut)  Verarbeitung 1,0 (Sehr gut)
Anschlüsse 3,0 (Befriedigend)  
Leistung (Spiele) 1,0 (Sehr gut)  
Leistung (Anwendungen) 1,0 (Sehr gut)
Benchmark
Benchmarks
Erzielter Messwert
Bestwert aller Tests
Google V8
 
1674 Pkt.
Max. 2913 Pkt.
Sunspider
 
865.1 ms
Min. 865.1 ms
Linpack (Android)
 
647300 MFLOPS
Max. 647300 MFLOPS
Geekbench 2
 
1768 Pkt.
Max. 2479 Pkt.
PassMark Performance Test Mobile
 
1426 Pkt.
Max. 4195 Pkt.
GL Benchmark 2.1 (Egypt)
 
59 fps
Max. 59 fps
GL Benchmark 2.1 (Egypt Offscreen)
 
131 fps
Max. 131 fps
höher ist besser niedriger ist besser
Akkulaufzeit
Auslastung
Erzielter Messwert
Bestwert aller Tests
Vollast
 
4 Std. 33 Min.
Max. 10 Std. 52 Min.
Maximal
 
21 Std. 18 Min.
Max. 28 Std. 26 Min.
Praxis
 
9 Std. 5 Min.
Max. 19 Std. 40 Min.
Test-Siegel als Druckversion: Test-Siegel
Lichtdichte in cd/m²
  1. 347
  2. 354
  3. 352
  4. 344
  5. 369
  6. 341
  7. 355
  8. 355
  9. 350
Temperatur in °C
Oberseite
  1. 30.5
  2. 33.1
  3. 30.4
  4. 27.5
  5. 27.6
  6. 28.6
  7. 26.9
  8. 27
  9. 26.6
Unterseite
  1. 29
  2. 29.8
  3. 29.5
  4. 30.2
  5. 30.3
  6. 29.8
  7. 31.9
  8. 31.9
  9. 29.5
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