Kaufberatung Special: Gaming-Notebooks
Sie betrachten Computer eher als Spielekonsole denn als Arbeitshilfe? Auf LAN-Parties weisen Sie stets die beste Computer-Hardware vor? Akku-Laufzeit und Gewicht sind Ihnen egal, alles was zählt ist pure Rechenleistung? Dann sind Sie mit einem Gaming-Notebook bestens bedient. Denn obwohl sie eine unglaubliche 3D-Performance abliefern, sind sie wesentlich leichter von einer LAN-Party zur nächsten zu transportieren und lenken mit tollen Leuchteffekten und futuristischen Designs ihre Blicke dennoch auf sich. Doch nicht in jedem Notebook wo "Gaming" draufsteht ist auch Gaming drin. Wir verraten in unserem Special, worauf es bei solchen Boliden ankommt, was Sie für Ihr Geld erwarten können und wo eventuelle Nachteile liegen könnten.
Das Display: 15, 17 oder gleich 18 Zoll?
Durch moderne Herstellungsverfahren ist es heutzutage längst möglich, pfeilschnelle Hardware in ein vergleichsweise kompaktes
15''-Gehäuse zu stecken. Die Vorteile sind ohne Zweifel ein wesentlich geringeres Gewicht; oft sind solche Geräte auch preiswerter zu haben als ihre großen Brüder. Doch die kleinsten Gamer-Notebooks haben gleich mehrere schwerwiegende Nachteile. Zum Einen sind 15''-Displays oft zu klein, um eine FullHD-Auflösung zu bieten. In schnellen Ego-Shootern geht bei der relativ geringen Auflösung schnell die Übersicht verloren. Falls es dennoch Konfigurationen mit HD-Auflösung gibt, so ist diese meist mit happigen Aufpreisen verbunden.
Ein weiterer Nachteil liegt in der oft schlechteren Konfiguration. Bei größeren Notebooks bekommen Sie für das gleiche Geld meist bessere Hardware. Das liegt unter anderem an der schlechteren Wärmeableitung bei den 15''-Gamer-Notebooks. Die Hersteller müssen hier oft auf schwächere Grafik-Hardware zurückgreifen. In diesem Fall kaufen Sie häufig ein Notebook, das zwar schwer und teuer, aber in einem halben Jahr bereits veraltet ist – Geringere Detailstufen oder Ruckeln sind die Konsequenzen. Während in
17''- oder
18''-Notebooks häufig zwei Festplatten stecken, fehlt bei den kleinsten Geräten dazu einfach der Platz – Auch hier sind größere Speicherkapazitäten zum Teil mit Aufpreisen verbunden.
Warum also nicht gleich zum anderen Extrem greifen? 18''-Notebooks verfügen über ein großes
Display, meistens mit FullHD-Auflösung und bieten ausreichend Platz für zwei Festplatten und extrem schnelle Hardware. Doch spätestens bei solch wuchtigen Geräten bekommen Sie meistens ein Platzproblem: Selbst 18''-Allrounder sind ihres großen Displays wegen schon relativ groß. Gaming-Notebooks sind zusätzlich noch dick und bringen mit Netzteil auch schon 5 Kilogramm und mehr auf die Waage. Mit ihren Abmessungen sind sie für die meisten Laptop-Taschen einfach zu groß. Ein weiterer Nachteil ist der enorme Stromhunger: Neben der schnellen Hardware muss auch das große und möglichst helle Display mit Strom versorgt werden. Falls doch mal keine Steckdose zur Verfügung steht, ist oft schon nach 30-60 Minuten Schluss.
Der Kompromiss:
17''-Notebooks: Nicht ohne Grund sind Gaming-Notebooks am häufigsten mit 17 Zoll Bildschirm anzutreffen. In dem großen Gehäuse ist die Luftzirkulation gut genug, um auch wirklich die beste Hardware unterzubringen. Zudem bieten diese Notebooks häufig zwei Festplatten – Speicherkapazitäten von 800 GB sind dabei keinesfalls eine Seltenheit. Außerdem bieten diese Notebooks ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis als 15''-Geräte. Sie sind zwar meistens deutlich teurer, doch der Leistungsgewinn durch die zumeist bessere Hardware ist enorm. FullHD-Auflösung ist bei 17-Zollern in dieser Klasse zudem Pflicht. Falls Ihnen die Display-Größe dennoch nicht ausreichend ist, so haben Sie bei 17''-Notebooks eher als bei den großen Brüdern noch den Platz, ein externes Display mitzunehmen. So wird die nächste LAN-Party garantiert ein Erfolg!
Top-Leistung im Miniformat erhalten Sie übrigens mit dem
Alienware M11x-Notebook. Mit winzigen Abmessungen durch sein 11''-Display passt er in jeden noch so kleinen Rucksack – doch mit seiner Leistung steckt er selbst große Notebooks locker in die Tasche. Mit moderner CPU und schneller NVIDIA Grafikkarte beweist der kleine Bolide, dass gute Leistung nicht unbedingt in ein riesiges Gehäuse erfordert.
Der Speicherplatz: Masse statt Klasse!
Desto weiter die Entwicklung von Spielen voranschreitet, desto größer wird auch der Speicherhunger. Während noch vor wenigen Jahren die modernsten Shooter auf 2 CDs oder weniger passten, sind 2 Dual-Layer-DVDs heutzutage keine Seltenheit mehr. Spiele verbrauchen also locker 10 Gigabyte und mehr Platz auf der Festplatte. Falls Sie mit Ihrem FullHD-Notebook auch noch Filme in höchster Auflösung anschauen möchten, so ist der Speicherplatz der Festplatte schnell erschöpft. Zum Glück haben die Hersteller mitgedacht und verbauen in Gamer-Notebooks ab 17'' Größe fast serienmäßig zwei Festplatten. Oft verfügen Sie damit über enorme 800 GB Speicherplatz – das dürfte für die meisten Spieler absolut ausreichend sein.
Fest steht: Beim Speicherplatz nicht kleckern sondern klotzen! Das Gleiche gilt übrigens auch für den Arbeitsspeicher: Obwohl Sie hier auch auf die Geschwindigkeit des Speichers achten sollten, sind in einem Gamer-Notebook 4 Gigabyte in jedem Fall Pflicht. Wer bereits ist, mehrere Hundert Euro Aufpreis zu bezahlen, bekommt heutzutage solche Geräte auch schon mit 6 GB RAM. Spätestens damit sind lästige Ladebalken zwischen verschiedenen Levels weitestgehend Vergangenheit.
Übrigens werden mehrere Festplatten in Gamer-Notebooks gelegentlich auch als RAID1-Verbund zusammengeschlossen. Das bedeutet, dass sämtliche geschriebenen Daten gespiegelt werden – also gleichzeitig auf beide Festplatten geschrieben werden. Der offensichtliche Vorteil: Beim Defekt einer Festplatte, geht nicht ein Byte an Daten verloren. Diese zusätzliche Sicherheit bezahlt man jedoch mit dem Verlust der halben Speicherkapazität.
Der Prozessor: Mehr Kerne = Mehr Leistung?
Eine der wichtigsten Komponenten eines Spiele-Notebooks ist natürlich der
Prozessor. Schließlich berechnet er die künstliche Intelligenz der Computer-Gegner und ist häufig auch für die Physik in Spielen verantwortlich. Ein zu langsamer Prozessor kann beispielsweise dann identifiziert werden, wenn ein Spiel bei ansonsten tadelloser Wiedergabe anfängt zu ruckeln, sobald mehrere Computergegner das Feld betreten. Doch worauf sollte man bei einer CPU achten? Sind die neuen Core i7-Prozessoren für Notebooks zu empfehlen?
Zuerst sollte man sich von dem Schema lösen, dass mehr Prozessorkerne automatisch eine höhere Leistung bedeuten. Das mag bei den Core 2 Quads Extreme Edition der Fall sein, doch sind diese Prozessoren praktisch unbezahlbar. Längst nicht alle Games unterstützen 4 CPU-Kerne – Folglich können nicht alle anfallenden Berechnungen effektiv auf alle Kerne verteilt werden. Da Vier-Kern-Prozessoren für Notebooks aufgrund von Energieverbrauch und Wärmeentwicklung einen geringeren Takt pro Kern besitzen als Dual-Core CPUs, kann die Spieleleistung mit einem Vier-Kern-Prozessor zum Teil deutlich hinter der Performance einer guten Zwei-Kern-CPU liegen. Wichtig sind vor allem eine schnelle Speicheranbindung, eine hohe Taktfrequenz und ein großer Cache. Letzterer dient praktisch dazu, häufig vom Prozessor verwendete Daten zwischenzuspeichern. Hierdurch fällt die (langsamere) Kommunikation mit dem Arbeitsspeicher teilweise weg.
Die neuen Core i7-Notebook-Prozessoren sind zweifelsfrei für Gamer-Notebooks zu empfehlen. Dazu sind nicht einmal die Extreme Edition Modelle notwendig. Schon die Standard-Modelle bieten durch die moderne Nehalem-Architektur und den eingebauten Speichercontroller eine extrem hohe Leistung. Als Gamer können Sie überlegen, ob sie die integrierte HyperThreading-Funktion deaktivieren möchten – Zumindest bei den Desktop-Versionen dieser Prozessoren schnitten die Core i7-CPUs in Spielen ohne HyperThreading besser ab.
Die Grafikkarte: Das Herzstück eines jeden Gamer-Notebooks
Für Spieler der wichtigste Bestandteil seines Notebooks ist natürlich die
Grafikkarte. Sie ist für die 3D-Berechnung zuständig, in ihrem Speicher finden Texturen Platz. Da verwundert es kaum, dass Sie ohne eine leistungsstarke Notebook-Grafikkarte noch so viel Geld ausgeben können – flüssige Spiele werden Sie auf solch einem Notebook nicht zu sehen bekommen. Da verwundert es, dass gerade in dieser wichtigen Kategorie seitens der Hersteller viel geschummelt wird. Große Elektronik-Ketten versuchen absichtlich, den Blick auf schnelle Prozessoren und viel Speicher zu lenken, um über die schwache Grafikkarte hinwegzutäuschen.
Da Notebooks jedoch nur sehr eingeschränkt aufgerüstet werden können, sollten Sie sich hier nicht mir Kompromissen abfinden – eine Mittelklassegrafikkarte ist ab Kauf in weniger als einem Jahr veraltet und mit solchen Spielen dann auch überfordert. Ärgerlich, wenn man bedenkt, dass Gamer-Notebooks tiefe Löcher in das Portemonnaie reißen.
Achten Sie also unbedingt darauf, dass die Notebook Grafikkarte auch tatsächlich zum Highend-Bereich zählt. Bei NVIDIA können Sie sich grob daran orientieren, dass bei schnellen Grafikkarten stets ein "GTS" oder besser noch ein "GTX" in der Grafikkarten-Bezeichnung vorkommt. Bei ATI ist das Ganze schon etwas schwieriger. Relevant ist die zweite Ziffer in der Modellbezeichnung – Highend-Grafikkarten haben dort stets eine "8". So ist beispielsweise eine
Mobility Radeon HD 4830 Grafikkarte erheblich schneller als eine
Radeon 5470 – Lassen Sie sich nicht von neuen Serien täuschen. Schnelle Grafikkarten sind zudem an hohen Taktfrequenzen erkennbar. In Kombination mit zahlreichen Stream-Prozessoren und Texture Mapping Units liefern sie eine gute Rechenleistung ab. Achten Sie unbedingt auch auf die Speicheranbindung: 128 Bit sind das Minimum, 256 Bit das Optimum, um auch einen zügigen Transport von und zum Grafikkartenspeicher zu gewährleisten.
Neuerdings bieten Hersteller vereinzelt Notebooks an, die neben einer schnellen 3D-Grafikkarte auch einen langsamen Onboard-Chip besitzen, der im 2D-Modus viel Strom spart. Das klingt zunächst praktisch – häufig treten jedoch Schwierigkeiten auf mit der Grafikkartensteuerung. In jedem Fall wird beim Chip-Wechsel der Bildschirm kurz schwarz – lästig.
Die Peripherie: Keinesfalls unwichtig
Natürlich ist die Güte des Touchpads drittrangig, wenn es um die Kaufentscheidung für ein teures Gaming-Notebook geht. Schließlich wird kein Spieler seinen Lieblings-Egoshooter mit dem unpraktischen Touchpad spielen, sondern stets eine USB-Maus, bevorzugt mit Laser-Optik, anschließen. Wichtiger jedoch ist die Notebook-Tastatur.
Achten Sie auf einen für Sie angenehmen Druckpunkt. Er darf nicht zu fest sein, damit schnell reagiert werden kann. Weich und klapprig soll die Tastatur natürlich auch nicht ausfallen, schließlich geben Sie enorm viel Geld dafür aus.
Aber auch die Anschlüsse sind wichtig. Falls Sie über eine externe Festplatte mit eSATA Anschluss verfügen, sollte das Notebook unbedingt auch einen solchen Anschluss bieten. Schließlich sind die Übertragungsraten um ein Vielfaches höher. Desto kleiner das Notebook-Display, desto wichtiger wird zudem ein digitaler HDMI-Anschluss, um die bestmögliche Bildqualität auch auf einem externen Display zu erhalten.
Ein Gigabit-LAN-Anschluss und WLAN mit Draft-n-Fähigkeiten gehören hingegen schon zum Standard-Repertoire. Viele Hersteller von Gaming-Notebooks legen ihren Geräten außerdem Extras wie eine Maus oder ein Surround-Headset bei – empfehlenswert.
Fazit: Keine leichte Entscheidung
Wie Sie sehen, ist die Kaufentscheidung für ein Gaming-Notebook nicht leicht zu treffen. Hersteller bieten oft Mogelpackungen oder überteuerte Geräte an. In unserem Special konnten Sie erfahren, dass auf mehr als nur auf Grafikkarte und Prozessor geachtet werden muss, um den Kauf im Nachhinein nicht zu bereuen. Dennoch bieten Gaming-Notebooks den enormen Vorteil, dass sie normalen PCs oft überlegen oder wenigstens ebenbürtig sind, aber dennoch viel leichter transportiert werden können. Für die zusätzliche Mobilität muss jedoch bezahlt werden: Gaming-Notebooks sind viel teurer als gleich schnelle PC-Konfigurationen und können nicht einfach ausgerüstet werden. Entscheiden Sie sich für ein Gaming-Notebook, so heißt es klotzen. Wenn an einzelnen Komponenten gespart wird, so erhalten Sie die Quittung wenige Monate nach dem Kauf, wenn die Hardware mehr und mehr von den neuesten Spielen überfordert ist. Eine hohe Rechenleistung ist also ein Muss. Dann werden Sie mit ihrem neuen Notebook glücklich und sind der Star der nächsten LAN-Party – garantiert.