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Razer CEO Min-Liang Tan und Ruben Mokerjee (VP General Manager der Peripherals Business Unit)Bildquelle: notebookinfo.de | rk
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Razer auf Europa Tournee: CEO Min-Liang Tan und Manager Ruben Mokerjee

„Für Gamer von Gamern, wir nehmen unseren Claim absolut ernst. Wenn wir hier durch sind mit unserer kurzen Europa Tournee, dann spiele ich erstmal The Witcher 3 durch – egal was mein Team in den nächsten drei Tagen von mir will“, stellt der Razer CEO Min-Liang Tan erstmal klar. Das Razer Team, welches uns im Berliner Hotel Park Inn gegenübersitzt, ist mit CEO Min-Liang Tan, Ruben Mookerjee (VP General Manager der Peripherals Business Unit) und den zwei deutschen PR-Managern André Ruff und Jan Horak recht überschaubar. Genauso überschaubar fühlt sich das in San Diego, Kalifornien angesiedelte Unternehmen, welches die legendären Gamer Mäuse BoomSlang, Mamba und DeathAdder oder das BlackWidow Chroma Keyboard kreierte. „Wir haben vielleicht 600 Mitarbeiter. Bei den Big Playern in der Industrie sind selbst die Buchhaltungs- oder HR-Abteilungen größer als unser gesamtes Business“, erklärt Min-Liang Tan lachend. „Wir fühlen uns eigentlich immer noch wie ein Startup“, fügt Ruben Mookerjee hinzu.

Das Razer Team ist fast am Ende einer ersten, sehr kleinen Europa-Tournee. Innerhalb von vier Tagen stellt Razer in London, Paris, Berlin und Hamburg ein paar Neuigkeiten vor. Nach der Präsentation über kommende Produkte mit Sperrfrist für die Medien hatten wir noch ein wenig Zeit für ein Interview mit dem sympathischen CEO Min-Liang Tan:

Notebookinfo.de: Weltweit genießen Razer Produkte einen sehr guten Ruf, nicht nur in der Gaming Community. Für jedes Review müssen wir, und so machen das auch viele unserer Leser, eure Razer Blade Notebooks importieren. Wieso haben wir die erstklassigen mobilen Gamer noch nicht in Europa?

Min-Liang Tan: Ich weiß, Ich weiß. Schuldig im Sinne der Anklage. Wir arbeiten hart daran, alle unsere Produkte nach Europa zu bringen und wir sind kurz davor (kreuzt die Finger), wenn alles gut geht. Man braucht für den Vertrieb eine gewisse Infrastruktur und die setzen wir auf. Wir werden Forge TV mit Google hier auf den Markt bringen und das hoffentlich auch mit den Razer Blades machen können. Im Moment liegt das allerdings nicht in unseren Händen, da müssen andere noch mitspielen aber wir sind zuversichtlich. Es gab bei uns auch einen kleinen Strategiewechsel: Bis dato bedienten wir den US-amerikanischen Markt und sind sehr aktiv in Asien. Nun wollen wir uns jedoch auch mehr in Europa engagieren und Deutschland ist für uns der wichtigste Standort. Fakt ist, die Präsentation heute habt ihr weltweit mit als erstes gesehen. Ihr könnt eine Woche testen und euch ausführlich mit den Produkten beschäftigen. Die US-Kollegen bekommen das erst zur E3 in Los Angeles. Damit werden wir uns auch von dem einen oder anderen noch Ärger einhandeln.

Notebookinfo.de: Nicht nur wir warten gemäß unserer Ausrichtung brennend auf die Razer Blades. In Deutschland sind mittlerweile ähnliche, flache 17,3-Zoll Gamer diverser Hersteller erhältlich. Trotzdem sehen wir genug Chancen für das Original. Wie kommt es eigentlich, dass ein Hersteller für Gaming Controller auf einmal als Pionier ein solches Produkt kreiert und mit der Umsetzung so lange alleine bleibt?

Min-Liang Tan: Stimmt, die dünnen Gaming-Notebooks ähneln den Blades, sind vom thermischen Design, der Verarbeitung und auch hinsichtlich der Qualität der Komponenten aber auf dem Niveau unserer ersten Generation. Damals, und so ist es teilweise auch heute noch, waren Gaming Notebooks 4-6 Zentimeter dick und 4 bis 5 Kilo schwer. Wann immer ich los wollte, mein Notebook musste ich da lassen. „Das ist kein mobiles Gaming“, dachte ich mir und das können wir ändern. Grundsätzlich designen wir Produkte erstmal für uns selber. Es ist das, was wir nutzen wollen und was uns persönlich fehlt. Nun haben wir mit diesem Bedürfnis bei diversen Partnern angeklopft. Ich will hier keine Namen nennen, aber Unternehmen, die heutzutage vergleichbare Notebooks bringen, die haben uns damals allesamt gesagt: „Ihr seid verrückt, das können wir nicht machen“.

Notebookinfo.de: Also musste man das selber in die Hand nehmen?

Min-Liang Tan: Ja wir ließen da nicht locker. Wir haben uns fähige Ingenieure und Designer ins Boot geholt, ein großer Teil davon stammte beispielsweise vom Design Team für Apples Power Macs. Ich habe größten Respekt vor Apple. Wenn mich jemand fragt, was er für ein Notebook kaufen soll, und er macht damit nur Office-Geschichten – „Soll er sich ein MacBook Air kaufen“ ist meine Antwort. Apple baut nur keine Gaming Notebooks, dafür ist Razer da. Mit unserem ersten Blade haben wir die Ultrabook Kategorie zertrümmert. Unser Gaming-Notebook ist entsprechend portabel und bietet trotzdem 10 Mal mehr Power.

Wir haben die Blades von Grund auf in einer anderen Herangehensweise entworfen. In einem solch dünnen Chassis (22,4mm) waren verschieden temperierte Zonen eine gute Lösung. Dort, wo Nutzer das Notebook nicht berühren, werden unsere Blades sehr heiß. Dafür bleiben die Kontaktflächen angenehm kühl. Wir haben neue Heatpipes entworfen, selbst unsere Wärmeleitpaste ist in ihrer Zusammensetzung einmalig. Am Ende erreichten wir mit unseren Designs teilweise sogar niedrigere Package-Temperaturen von CPU und GPU als unsere doppelt so dicken Konkurrenz-Notebooks.

Notebookinfo.de: Uns sind die Entwicklungsstufen des thermischen Designs aufgefallen. Was uns aber ebenso beeindruckt, ist der Aufbau des Innenraums. Bei unserem 2013er Test des Razer Blade Pro war das PCB noch grün, es gab viele Lufträume im Innern und es sah noch etwas unaufgeräumt aus. Schraubt man ein New Razer Blade auf, ist alles in Schwarz gehalten und sieht zugegebenermaßen für uns Redakteure sehr cool aus.

Min-Liang Tan: Wir bei Razer sind nie zufrieden. Man kann immer etwas am Produkt verbessern und unser Ansatz lautet: Keine Kompromisse! Es ist uns erstmal egal was bestimmte Features kosten. Dass die USB Ports bei uns grün sind, wisst ihr eigentlich was das kostet? Unsere Netzteile… die meisten Gaming Notebooks hatten ein Netzteil mit dem zwei- bis dreifachen Volumen von unseren im Gepäck. Will man so etwas mit sich herumschleppen? Natürlich nicht und deswegen sind die Netzteile bei uns so schlank und leicht. Versteht mich nicht falsch, sie sind auch 7 Mal teurer aber das spielt bei uns eine untergeordnete Rolle.

Notebookinfo.de: Grüne USB Ports, leichte Netzteile – sowas merken die Nutzer ja auch direkt. Aber schwarz eloxierte Heatpipes? Die bekommen doch viele gar nicht zu Gesicht.

Min-Liang Tan: Wir wissen es, ihr wisst es. Das zählt, wir achten da halt auf die Details. Wir wollen ruhig schlafen können und nicht wachliegen, mit dem Wissen, dass wir nicht unser Möglichstes getan haben. Im Grunde ist es ganz einfach. „Life is too short to build shitty products“ (lacht).

Notebookinfo.de: Das klingt nach einem tollen Schlusswort. Wir bedanken uns recht herzlich für das Interview.

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