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  3. LG G Watch R im Test: Gute Smartwatch die man trotzdem nicht wirklich gebrauchen kann

Das R in LG G Watch R steht für Bildquelle: notebookinfo.de | rk
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LG G Watch R: Einer traditionellen Uhr sehr ähnlich

Sah die LG G Watch noch wie eine der ersten, klobigen digitalen Uhren aus den 80er Jahren aus, so kommt die G Watch R schon deutlich moderner daher. LG spricht von der „klassischen runden Form als Smartwear“. Ein Accessoire soll sie sein wie eine traditionelle Uhr, die Umrandung des Ziffernblatts und die überwiegend analogen Designs, auch Watchfaces genannt, unterstreichen das. Ich trage sonst keine Uhr, habe mich mit der G Watch R aber auch nicht unwohl gefühlt nach dem ersten Anlegen. In Deutschland wird es nur eine schwarze G Watch R geben, das Lederarmband lässt sich aber durch ein beliebiges 22mm Uhrenarmband austauschen. Bei der Produktpräsentation in Berlin hat uns LG noch ein braunes Lederarmband mitgegeben, das wir auch prompt ausprobierten. Beide Armbänder sind sehr steif und müssen erst eingetragen werden. Zudem ist die Größe etwas schwierig zu wählen: In der kleinsten Einstellung zu eng und in der nächsten rutscht die Uhr weil zu locker. Gewählt haben wir je nach Tagesform des Handgelenks.

Gehäuse – Robust und gut verarbeitet

Mit der Materialwahl hat LG der G Watch R ein ansprechendes Look & Feel verpasst. Die 46 x 54 Millimeter Außenmaße und eine Bauhöhe von 11 Millimeter lassen die Uhr wider Erwarten nicht zu klobig wirken und auch das Gewicht von 62 Gramm lässt sich gut schultern. Dank rauem Kunststoff bietet die Unterseite eine angenehme Haptik und bis auf die Lünette um das Ziffernblatt und einen seitlichen Knopf als Akzente erscheint die G Watch R eher schlicht. Drehbar ist das äußere Ziffernblatt nicht und es macht wohl am meisten Sinn mit einem analogen Watchface.


LG hat hier auf jeden Fall eine eher unauffällige Uhr gestaltet, deren Smartfeatures nicht gleich jedem ins Gesicht springen. Mit einem Lederarmband hebt sich die Uhr endgültig von vielen Kunststoff-Kollegen ab, auch hier begegnet uns solide Qualität. Das Edelstahlgehäuse wurde PVD-beschichtet (physikalische Gasphasenabscheidung) und erhält damit einen kratzfesten, seidenmatten Überzug.
Mittig auf der Unterseite sitzt der optische Herzfrequenzmesser, am Rande finden wir die Kontakte für die Ladeschale. Beim Vorgängermodell korrodierten die Kontakte sehr schnell, da immer eine geringe Spannung anlag – Das hat LG behoben, indem wirklich erst auf der magnetischen Ladeschale Strom fließt. Die G Watch R ist nach IP67 Zertifizierung staubdicht und gegen zeitweiliges Untertauchen geschützt. Man kann also problemlos Händewaschen, bis 1 Meter Tiefe ins Wasser greifen und auch eine Dusche wird überstanden. Wir haben das natürlich ausprobiert und hatten keinerlei Probleme.

Ausstattung – Fitness, Navigation und ein scharfes Display

Den Herzfrequenzmesser haben wir schon erwähnt, für Health-Tracking verbaut LG zusätzlich auch einen Schrittzähler in der G Watch R. Das voreingestellte Tagesziel von 10.000 Schritten ist für uns Bürohengste schon mal sehr hoch gesteckt, zumal die Uhr den täglichen Arbeitsweg mit dem Fahrrad nicht mitzählt. An weiteren Sensoren finden wir ein Gyroskop, einen Beschleunigungsmesser und einen digitalen Kompass. Als kleines Extra ist auch ein Barometer verbaut, welches gleichzeitig auch als Höhenmesser dient. Die LG G Watch R hat einen kleinen Vibrationsmotor und ein Mikrofon, um Sprachbefehle entgegenzunehmen. Gekoppelt wird sie über Bluetooth 4.0 mit einem Smartphone ab Android 4.3, dank 4 GB internem Speicherplatz lässt sie sich aber auch ein wenig autonomer vom Smartphone nutzen. Man kann beispielsweise ein Bluetooth Headset verbinden und mit Musik joggen gehen, das hat in unserem Test sehr gut funktioniert. Etwas schwieriger ist es, Musik auf die Uhr zu bekommen – dafür kommt bisher nur Google Play Music als Quelle in Frage und man kann auch nicht selektiv Songs synchronisieren. Die Uhr lädt sich einfach sämtliche Songs. Eine Freisprechfunktion wird nicht geboten, dafür fehlt der Lautsprecher. Auch ein eigenes GPS-Modul vermissen wir, das schränkt das Fitness-Tracking etwas ein.

Das 1,3 Zoll Display löst mit 320x320 Pixel auf und bietet eine Helligkeit von rund 290 Candela pro Quadratmeter. Das reicht auch im direkten Sonnenlicht für eine gute Lesbarkeit. Die Pixeldichte macht die G Watch R zur Smartwatch mit dem schärfsten Display, an den digitalen Zeigern ist jedoch trotzdem eine Treppchenbildung zu erkennen. Dem Bildschirm liegt ein Plastic OLED Panel zugrunde, dadurch arbeitet das Display besonders effizient. Dunkle oder schwarze Pixel werden nicht beleuchtet, damit kann auf akkuschonende Weise immer ein Ziffernblatt eingeblendet werden. Dreht man das Handgelenk etwas abrupter, leuchtet dann die volle Version des Watchfaces auf.

Mit dem 410 mAh Akku kommen wir dank dem stromsparenden Display auf volle zwei Tage Akkulaufzeit bei moderater Nutzung. Das ist für eine Smartwatch ok, für eine Uhr natürlich katastrophal. Was bietet die LG G Watch R denn an Smartfeatures, um die Sorge um den Akku zu rechtfertigen?

Nach kurzer Eingewöhnung scrollen und swipen wir sehr komfortabel auf der LG G Watch R. Die Menus von Android Wear 4.4W.2 sind sehr einfach gehalten und man findet sich relativ schnell zurecht. Etwas schwieriger war es, das Sprachtempo für Google zu steigern – wir waren zu Beginn einfach zu langsam beziehungsweise die Spracherkennung funktioniert besser als gedacht. Wir haben es geschafft, SMS zu versenden, Gespräche über das Headset vom Fahrrad aus zu starten und zu führen während die Navigation läuft und auch Erinnerungen zu speichern ist kein Problem. Oft landen Anfragen aber auch ins Leere und dann steht man ziemlich blöd da. Für kurze, informelle Texte ist die Sprachantwort zu gebrauchen. Handelt es sich beim Empfänger jedoch um eine Person, an die ausschließlich fehlerfreie Mails oder SMS gehen sollten, dann textet man doch lieber mit dem Smartphone.

Fazit – Unter den Blinden ist der Einäugige König

Mir war ehrlich gesagt das analoge Ziffernblatt zu kompliziert und ich habe mich immer wieder beim Griff zum Smartphone für die Uhrzeit erwischt. Ich bin halt kein Uhrenträger. Dann habe ich den Akku der Uhr mal leerlaufen lassen, weil ich nicht an den Akku gedacht habe. Oft hat Google mich nicht verstanden und ich wäre mit einer manuellen Eingabe schneller gewesen, irgendwie degradiert mich eine Smartwatch dann doch zum bloßen Empfänger. Als dieser vermisse ich aber doch sehr schnell die Übersichtlichkeit und Reaktionschnelligkeit meines Smartphones. Es bringt mir wenig, alle Nachrichten nur wahrzunehmen, um sie dann doch wieder für späteres Abarbeiten beiseite zu legen. Einzig die Funktion, Emails als gelesen zu markieren, hat sich bei dieser Nicht-Kommunikation als sinnvoll erwiesen. Bei der Navigation ist die Vibration vor einer Kreuzung ein klitzekleiner, haptischer Mehrwert - auch hier ist man aber mit bloßem Smartphone nicht weniger zielstrebig. Dazu kommt, dass irgendwann keines der Watchfaces vollends zu gefallen wußte… die Qual der Wahl eben. Drittanbieter Apps eröffnen tolle Möglichkeiten, gerade Find my Phone, welches das verlegte Telefon klingeln und die LED aufleuchten lässt, ist im Alltag sehr praktisch. Summa summarum legen wir die LG G Watch R aber nach dem Test wieder ab und warten noch eine Weile mit der Alltagsintegration einer Smartwatch.

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