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Intel schnappt sich AMD-Chipexperte und baut eigene High-End-GPUs (Bild 1 von 1)Bildquelle: Intel
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Große Ziele: Intel will sich in den kommenden Jahren nicht mehr nur auf die CPU-Entwicklung fokussieren, sondern endlich auch eigene konkurrenzfähige High-End-GPUs bauen.

Es wäre ja zu schön gewesen. Gleich zu Beginn dieser Woche machte die Ankündigung eines neuen Intel Core Prozessors mit AMD Radeon Grafikeinheit Hoffnung, das Verhältnis zwischen AMD und Intel könnte in Zukunft weit weniger unterkühlt ausfallen als es sich über weite Strecken der vergangenen Jahrzehnte darstellte. Nur wenige Tage später erscheinen derlei Hoffnungen nun jedoch utopisch. Intel hat nämlich inzwischen angekündigt, den bisherigen Leiter von AMDs Radeon Technology Group, Raja Koduri, angeheuert zu haben, sowie unter Regie von Koduri unter anderem eigenständige High-End-Grafiklösungen bauen zu wollen.

Koduri wird Intels Angaben nach einer neu geformten Unternehmensabteilung namens „Core and Visual Computing Group“ vorstehen. Diese wird sich auf die Entwicklung von neuen Grafikchips, und zwar nicht nur integrierten Lösungen, sondern eben eben auch von dedizierten High-End-GPUs, fokussieren. Damit tritt die US-Chipschmiede in direkte Konkurrenz zu AMDs Readeon-Abteilung sowie natürlich dem GPU-Marktführer Nvidia.

Intels neu entfachte Bemühungen im Bereich Grafikchipentwicklung kommen aufgrund des Vorgehens des Unternehmens bis noch vor kurzem überraschend. Die Ankündigung des eingangs erwähnten Notebook-Prozessors mit AMD-Grafikeinheit schien zunächst wie eine Art von Eingeständnis Intels, dass die Entwicklung von eigenen Grafiklösungen keine Priorität mehr habe. Nun will das Unternehmen allerdings ganz hoch hinaus. Die künftig erscheinenden Intel-GPUs sollen sowohl für PC-Spieler als auch professionelle Anwender interessant sein und darüber hinaus auf Bereiche wie künstliche Intelligenz oder Internet of Things (IoT) abzielen. Damit positioniert sich Intel insbesondere als schärfster Widersacher von Nvidia, die genau in diesen Bereichen derzeit richtig viel Geld verdienen.

AMD trifft der Abgang von Koduri vor allem aus Prestigegründen. Mit den gerade auf dem Markt erschienen Ryzen Mobile Prozessoren mit integrierter Vega GPU sowie dem restlichen Portfolio aus Vega-Desktop-Grafikkarten und Ryzen- sowie Threadripper-Prozessoren ist das Unternehmen derzeit so gut aufgestellt wie seit vielen Jahren nicht mehr. Dennoch war es für AMD nicht möglich, einen Mann wie Koduri zu halten - aus welchen Gründen auch immer.

Koduri war zu AMD im Jahr 2013 nach einigen Jahren als Chefentwickler von Apples Grafikchipsparte zurückgekehrt. Von da an war er bei AMD für den Aufbau der Radeon Technology Group mitverantwortlich und übersah zunächst die Markteinführung von Polaris-GPUs mit gutem Preis-Leistungsverhältnis und erst im vergangenen Sommer den Launch der ersten Vega High-End-GPUs. Der Start der Vega-Generation war für AMD allerdings nicht so erfolgreich - sowohl aus technologischer als auch finanzieller Sicht - wie erhofft, was in Branchenkreisen zumindest als Teilgrund für Koduris Abgang zu Intel gewertet wird. Bei Intel wird der GPU-Experte ab Dezember 2017 seine Arbeit aufnehmen.

Quelle: Intel

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