1. Startseite
  2. News
  3. Intel gibt Smartphone-Ambitionen auf - Broxton und SoFIA SoC eingestellt

Intel reagiert auf die anhaltenden Probleme, im Geschäft mit SoC-Lösungen für Smartphones und kleinere Tablets gegen die starke ARM-Konkurrenz Boden gutzumachen. Wie das Unternehmen bestätigte, wurden die Arbeiten an Broxton und SoFIA eingestellt.Bildquelle: notebookinfo.de
Fotogalerie (1)
Harte Zeiten: Prozessorhersteller Intel muss als Reaktion auf die Entwicklungen der Technologiebranche umstrukturieren.

Für Intel war der April ein Monat der schlechten Nachrichten. Zu Beginn musste der Chipgigant Umstrukturierungsmaßnahmen ankündigen, denen rund 12000 Arbeitsplätze zum Opfer fallen werden. Das US-Unternehmen will sich künftig vor allem auf die Bereiche Datenzentrum / Server, Internet of Things (IoT) sowie Speicher- und Kommunikationstechnologien konzentrieren. Was speziell den PC-Client-Markt angeht nennt Intel die Umsätze mit Prozessoren für 2-in-1s und Gaming-Boliden als Lichtblicke in einem ansonsten ganz allgemein sehr angespannten Geschäftklima. Hinweise auf kommende Prozessoren für den Mobilgerätebereich fanden sich in dem Statement über die kurz- und mittelfristigen Pläne des Chip-Riesen interessanterweise jedoch nicht. Nun ist auch klar wieso: Aus einem Artikel von Anandtech, die sich direkt auf Angaben von Intel-Verantwortlichen berufen, geht hervor, dass das Unternehmen die Arbeiten an zwei Atom-Projekten mit den Codenamen „Broxton und „SoFIA“ eingestellt hat.

Nur um gleich an dieser Stelle die Tragweite dieser Entscheidung zu verdeutlichen, sei erwähnt, dass der Entwicklungsstopp der erwähnten SoC-Lösungen im Grunde das Ende von Intels Ambitionen ist, doch noch zu einem führenden Prozessorhersteller im Smartphone-Markt zu werden. Qualcomm, Apple und andere Unternehmen mit ARM-basierten Prozessoren haben sich zunächst behauptet und konnten inzwischen ihre Marktposition nachhaltig festigen. Trotz der Erfolge mit den Core i Chips im PC-Markt und der zweifellos vorhandenen Expertise konnte Intel sein Verschlafen des Beginns der Smartphone-Revolution mit dem ersten iPhone niemals mehr wettmachen.

Intel will ab sofort sämtliche Ressourcen, die eigentlich in die Entwicklung der beiden SoC-Projekte fließen sollten, umleiten und beispielsweise für Forschung und Fertigung im Bereich Kommunikationstechnologien aufwenden.

SoFIA ist eine SoC-Lösung, die Intel vor fast zwei Jahren zusammen mit den Unternehmen Rockchip und Speadtrum erdachte. Ziel war es ursprünglich, einen kosteneffizienten Chipsatz für Einsteiger-Smartphones zu produzieren. Erste SoFIA-Varianten sind sogar bereits im Umlauf, werden jetzt aber wohl kaum in einem Gerät zum Einsatz kommen.

Hinter dem Codenamen Broxton hingegen verbirgt sich ein deutlicher ambitionierteres Projekt. Broxton sollte die nächste Generation von Intels Mobilgeräte-SoC verkörpern, und hätte dazu Atom-CPU-Kerne mit Goldmont-Mikroarchitektur aufgewiesen. Die Goldmont-Chips wären wie aktuelle Core-Prozessoren (Skylake) im fortschrittlichen 14 Nanometer Verfahren produziert worden.

Ob Intels Abkehr von SoC-Lösungen für Smartphones und kleinere Tablets, die direkt mit ARM-basierten Chipsätzen konkurrieren müssten, auch das Ende der Marke Atom markieren wird, bleibt abzuwarten. Indizien dafür gibt es. So will der Konzern beispielsweise energieeffiziente SoCs für kleine, portable Geräte künftig nur noch mit den Bezeichnungen Celeron und Pentium vermarkten. Die nach wie vor erfolgreichen Core m und Core i Serien wird Intel wie bisher weiterentwickeln.

Den Mobilgerätemarkt überlässt Intel im Übrigen dann doch nicht völlig kampflos dem mittlerweile zum Erzrivalen avancierten Qualcomm. Stattdessen will sich der Chip-Riese künftig als Lieferant fortschrittlicher 4G- und vor allem 5G-Modems etablieren.

Quelle: Anandtech

Kommentieren
Mit dem Absenden erklären Sie Ihr Einverständnis mit den Nutzungsbedingungen und der Datenschutzerklärung.